Hermitude

Nicht weit von Sydney, im Südosten Australiens, liegt ein Ort namens Blue Mountains. All die Schluchten, Wasserfälle und Klippenwände sind blau gefärbt vom Eukalyptus der Blaugummibäume und das Land erweckt den Eindruck eines mystischen Schauplatzes direkt aus einem Sci-Fi-Film. Hier hat das elektronische Multi-Instrumentalisten Duo Hermitude – Angus „El Gusto“ Stuart und Luke „Luke Dubs“ Dubber – die wichtigsten Jahre ihrer gemeinsamen Entwicklung verbracht.

„Es ist echt großartig“, lächelt Luke. „Es ist so buschig, dass man jede Menge Wanderungen unternehmen konnte. Man konnte sich durch den Busch schlagen, seine eigene Wege finden und erforschen.“

Auch in der Musik schlagen Hermitude immer neue Wege ein. Seit ihrer ersten Indie-Veröffentlichung Alleys to Valleys (2003) gilt das Duo als Genre-Trendsetter. Mit dem Platinalbum Hyperparadise haben die beiden den Australian Music Prize gewonnen, dessen Ziel es ist, das herausragendste kreative Album des Jahres aus Australien zu finden und zu honorieren. Hermitude konnte sich gegen eine Shortlist aus so bekannten Künstlern wie Tame Impala, The Presets und ihren Freund/Kollaborateur, Elektro-Produzenten und Instrumentalisten Flume durchsetzen. Ihr fünftes Album, Dark Night Sweet Light, erreichte in Australien bereits Platz 1 der offiziellen Albumcharts (ARIA), Platz 1 der AIR Charts und Platz 1 der australischen iTunes Charts und ist eine vortreffliche Einführung für ein internationales Publikum.

Hiphop-Beats, fließende Jazzmelodien und schwindelerregende Synthies verschmelzen zu ihrem ganz eigenen Stil. Luke führt fort, „Es entwickelt sich immer weiter. Es fühlt sich an, als ob man auf einem Rave Jazzmelodien auf einem riesigen Synthie spielt. Es geht aber noch tiefer.“

Auf Dark Night Sweet Light findet Hermitude ein Gleichgewicht zwischen der Post-J Dilla „Future Beats“ Bewegung von Flying Lotus und britischer Electronica der Jahrhundertwende. Die Jungs zogen deutliche Inspiration aus der neuen Musik in Los Angeles, und tauchten in ihren Untergrund ein. „Als die Future Beats Szene in L.A. Einzug hielt, war es wie ein frischer Wind“, bestätigt Luke. „Wir haben das in unsere frühesten Einflüsse einbezogen. Hyperparadise bestand überwiegend aus analogen Synthies und ein paar Samples. Dieses Mal benutzen wir Softwaresynthesizer und digitale Sounds, die an diese moderne Bewegung erinnern. Die Drums haben diesen knackigen, hochfrequenten 808 Sound. Es glänzt mehr.”

Die zweite Single des Albums, „Through the Roof“ (feat. Young Tapz), beginnt damit, dass eine umgepolte Mariachi-Band ordentlich in die Hörner stößt und erhebt sich dann durch ein mitreißender Synthie-Riff mit schwungvollen Drums zu der unerschütterlichen, Dancehall inspirierten Erklärung: „And you’ll never shut this shit down.“ „Im Text geht es um eine Party, auf der wir waren“, erinnert sich Luke. „Es drängten sich so unfassbar viele Leute in dieses alte, heruntergekommene Haus. Es gab drei Etagen und alle tanzten und sprangen. Es war, als würde das Gebäude jeden Moment einstürzen. Die Polizei musste den Highway sperren, um die Party zu beenden! Wir wollten diese Energie einfangen.“

Nachdem er Teile seiner Jugend in Kuba verbrachte, hatte Angus auf der Heimreise nach Australien einen Haufen tropischer Sounds zum experimentieren im Gepäck – von Calypso bis Reggaeton. Diese Importe durchdringen die Hiphop-Cuts des Duos, wie „Bermuda Bay“.

Für den Release im Februar 2016 hat Hermitude dem Album einige Bonustracks mitgegeben, wie beispielsweise eine Kollaboration mit Big K.R.I.T, Estelle und Pell.

Für das wiederbelebte „The Buzz“ hat sich Hermitude mit Big K.R.I.T, einem ihrer Lieblings-MCs zusammengetan. Gemeinsam haben sie eine berauschende und ansteckende Hymne geschaffen. „Als wir hörten, dass er den Track mag, waren wir völlig aus dem Häuschen“, sagt Luke. „Wir flogen zu seinem Studio in Atlanta und er brachte es sofort perfekt aufs Band. Es war unglaublich, ihn im Studio zu sehen, weil er einen großen Einfluss auf uns hatte und wir seine Musik lieben. Der Song selbst dreht sich um einen Moment des Hochgefühls. Man ist so glücklich, man hat diese ‚buzzende’ Energie in sich, die man teilen möchte. So fühlten wir uns auf jeden Fall auch im Studio.“

„Hazy Love“ verbindet den smoothen und markanten Gesang Estelles mit einer eleganten, lebhaften Produktion, was neue Facetten des Sounds von ihnen und der Sängerin in den Fokus rückt. „Es war für uns beide ein Aufbruch“, erklärt Luke. „Sie ist dafür bekannt, so eine große Stimme zu haben, und das hier war verletzlicher.“

Die erste Single „Searchlight“ verbindet eine knisternde und inbrünstige Strophe mit einem vernehmlichen Dancefloor Drop und „Ukiyo“ (feat. „Spotify Emergent Artist“ Pell) ist ein straffes, eklektisches Juwel, das die akustische Palette weiter ausweitet.

Der Albumtitel fängt die zwei gegensätzlichen Stimmungen von Hermitude und dem Album ein. Luke bemerkt abschließend, „es gibt Momente, die wirklich strahlend glücklich und energiegeladen sind, aber es gibt auch Momente, die tief und introspektiv sind. Dark Night ist, wenn du im Club auf dem Dancefloor abgehst. Sweet Light ist, wenn Du am Sonntag Nachmittag zuhause chillst und Musik auf den Kopfhörern hörst.“

Dark Night Sweet Light existiert erfolgreich in beiden Welten und erhebt sich über alles, was es sonst noch gibt.