Shahin Najafi

Schon die ersten Songs, die Shahin Najafi mit Anfang zwanzig veröffentlicht, enthalten starke und kontroverse Meinungen zur gesellschaftspolitischen Situation im Iran. Im Jahr 2004 konfrontieren ihn die Autoritäten seines Heimatlandes zum ersten Mal mit Konsequenzen für seine Kritik. Die drohende Haftstrafe mit Peitschenhieben zwingt ihn, mit 24 Jahren sein Land zu verlassen. Das Ziel seiner Flucht: Deutschland. Hier bekommt er seinen Spitznamen „Der wütende Barde“ und stürzt sich in seine vielleicht produktivste Phase. Kein Song aus dieser Zeit, der nicht Probleme wie Armut, Sexismus, Homophobie, ideologische Dogmas, Gewalt und Unterdrückung anprangert – in seinem Heimatland und überall sonst auf der Welt.

Um seine fundamentale Gesellschaftskritik zu vertonen, ist Shahin Najafi jedes musikalische Mittel recht. Virtuos spielt er mit Einflüssen aus Rock, Jazz, Blues und Hip Hop. In seinen Liedern vermischen sich diese Elemente zu etwas neuem, sie machen die in den Texten verlangten Veränderungen hörbar. Es sind Lieder, in denen knallhart abgerechnet wird, aber es sind auch Lieder der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

2012 veröffentlicht Najafi einen Song mit dem Titel „Naghi“, in dem er einen gleichnamigen schiitischen Imam aus dem Irak auffordert, einige der schwerwiegendsten Probleme im Iran zu lösen. Das reicht, um von religiösen Hardlinern und vielen Mitläufern zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt zu werden.

In dieser bedrohlichen Situation verstummt Najafi jedoch nicht, seine Stimme wird lauter. Weltweit werden Medien auf den Fall aufmerksam, Politiker, Intellektuelle, Aktivisten und Künstler bekunden ihre Unterstützung. Ausgerechnet im Iran beschert der Wirbel ihm und seinen Ansichten eine nie dagewesene Reichweite und Popularität. Ein Jahr später veröffentlicht er sein erstes Buch „Wenn Gott schläft“, eine inzwischen verfilmte persönliche Auseinandersetzung mit seinem Heimatland und seinem Glauben.

Obwohl er schon viel erreicht hat, ruht sich Shahin Najafi nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern ist permanent als Musiker unterwegs. Seine Konzertreisen führten ihn schon durch ganz Europa und Nordamerika, aber auch nach Israel.